Ulf Kämpfer

Ihr Kieler Oberbürgermeister

Zur Vereidigung als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel

Rede von Dr. Ulf Kämpfer nach der Vereidigung als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel
Mon­tag, 14. April 2014, 17 Uhr
Kiel, Rats­saal des Rat­hau­ses
 
Es gilt das gespro­che­ne Wort
 
Ver­ehr­ter Herr Stadt­prä­si­dent,

sehr geehr­ter Herr Minis­ter­prä­si­dent, sehr geehr­te Minis­ter Breit­ner und Habeck,
hoch­ver­ehr­te Amts­vor­gän­ger,
ver­ehr­te Gäs­te,

heu­te ist ein bedeu­ten­der Tag für mich.

Vor einem hal­ben Jahr hät­te ich im Traum nicht dar­an gedacht, dass ich heu­te als frisch ver­ei­dig­ter Kie­ler Ober­bür­ger­meis­ter vor Ihnen ste­hen wür­de. Es gibt noch häu­fig Augen­bli­cke, in denen ich vol­ler Ver­wun­de­rung dar­auf bli­cke, was da gesche­hen ist; wel­che Zufäl­le und Win­kel­zü­ge des Schick­sals da im Spiel waren. Noch vor weni­gen Mona­ten war ich für die meis­ten Kie­le­rin­nen und Kie­ler ein gänz­lich Unbe­kann­ter.

Mir ist klar: Mei­ne Wahl zum Ober­bür­ger­meis­ter ist kei­ne Aner­ken­nung für bereits Geleis­te­tes.

Sie ist zunächst ein gro­ßer Ver­trau­ens­vor­schuss, und ich wer­de alles tun, die­ses Ver­trau­en nicht zu ent­täu­schen.

Ich gehe mit viel Vor­freu­de und viel Respekt an die Arbeit. Und ich freue mich auf die vie­len Men­schen im Rat­haus, die alle „der Stadt Bes­tes“ suchen, die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, die ihre Arbeit kennt­nis­reich und mit viel Schwung tun.

Die Erwar­tun­gen an mich sind groß, das habe ich vor und nach der Wahl erfah­ren, und eini­ge sind viel­leicht zu groß und manch­mal auch zu wider­sprüch­lich, um sie erfül­len zu kön­nen. Was sagt mei­ne Wahl zum Ober­bür­ger­meis­ter über Kiel aus? Kiel ist nicht nur eine sym­pa­thisch unfer­ti­ge Stadt, Kiel ist, wie ich fin­de, auch eine sehr offe­ne Stadt. Sie nimmt die Hin­zu­ge­kom­me­nen herz­lich auf; Kiel ist kei­ne geschlos­se­ne Gesell­schaft, kein Ort alter Eli­ten, die Neue und Neu­es abblo­cken.

Das ist es, was vie­len an Kiel gefällt und die Stadt attrak­tiv macht: Sie macht es einem leicht, einer von ihr zu wer­den. Kiel ist nicht arro­gant oder über­kan­di­delt, son­dern im bes­ten Sinn des Wor­tes unprä­ten­ti­ös und unauf­ge­regt.

II.

Im Wahl­kampf waren sich alle einig: Kiel braucht wie­der Kon­ti­nui­tät im Ober­bür­ger­meis­ter­amt; jeman­den, der min­des­tens sechs Jah­re bleibt.

Die­se Erwar­tung ist ange­sichts zwei­er vor­zei­ti­ger Wech­sel berech­tigt. Es liegt mir aber fern, dar­aus eine Kri­tik an mei­nen bei­den Vor­gän­gern, Susan­ne Gasch­ke und Tors­ten Albig abzu­lei­ten. Sie, Herr Minis­ter­prä­si­dent, lie­ber Tors­ten, haben mit Ihrer Kan­di­da­tur für das Amt des Minis­ter­prä­si­den­ten in einer schwie­ri­gen Situa­ti­on Flag­ge gezeigt, nach­dem das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zei­ti­ge Neu­wah­len ange­ord­net hat­te.

Das hat sicher man­chen ent­täuscht, der Sie ger­ne län­ger im Kie­ler Rat­haus gese­hen hät­te – ande­rer­seits kann man viel­leicht auch ein wenig stolz sein, wenn der ehe­ma­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter nun die Geschi­cke des gan­zen Lan­des lenkt.

Und Susan­ne Gasch­ke hat ihre her­aus­ge­ho­be­ne Posi­ti­on als Jour­na­lis­tin ohne Rück­fahr­kar­te auf­ge­ge­ben und sich mit viel Enga­ge­ment auf das Ober­bür­ger­meis­ter­amt ein­ge­las­sen. Alle, und ganz gewiss Susan­ne Gasch­ke selbst, hät­ten sich einen ande­ren Ver­lauf ihrer Amts­zeit gewünscht.

Und wie auch immer wir die Gescheh­nis­se beur­tei­len mögen, die zu ihrem Rück­tritt geführt haben, erscheint es mir ange­mes­sen fest­zu­hal­ten: Susan­ne Gasch­ke hat in einer ver­fah­re­nen Situa­ti­on einen hohen per­sön­li­chen Preis gezahlt.

Das soll­ten wir nicht ver­ges­sen, und das ver­dient unse­ren Respekt.

III.

Anre­de,

mit mei­ner Ver­ei­di­gung endet eine sechs­mo­na­ti­ge Vakanz.

Ich möch­te Bür­ger­meis­ter Peter Todes­ki­no dan­ken, der nun schon zum zwei­ten Mal in die Bre­sche gesprun­gen ist und die Geschäf­te der Stadt­ver­wal­tung mit Ver­ve und Pro­fes­sio­na­li­tät geführt hat.

Lie­ber Peter Todes­ki­no, das war nicht nur eine auf­re­gen­de, son­dern auch auf­rei­ben­de Zeit für Dich — für die­sen Ein­satz sagt Kiel Dan­ke!

Es heißt zwar, alle guten Din­ge sind drei. Ich hof­fe aller­dings, wir sind uns bei­de einig: In die­sem Fall soll die Regel kei­ne Anwen­dung fin­den!

IV.

Wo steht Kiel als Stadt?

In wel­chem Kräf­te­feld bewegt sie sich, und wel­ches sind die Rah­men­be­din­gun­gen ihrer Ent­wick­lung?

Schon seit eini­ger Zeit macht das Wort von der Renais­sance der Städ­te, von einer neu­en Urba­ni­tät die Run­de. Wel­ling­ton Web, frü­he­rer Bür­ger­meis­ter von Den­ver, for­mu­liert es so: „Das 19. Jahr­hun­dert war ein Jahr­hun­dert der Impe­ri­en, das 20. Jahr­hun­dert war ein Jahr­hun­dert der Natio­nal­staa­ten. Das 21. Jahr­hun­dert wird das Jahr­hun­dert der Städ­te sein.“

Ich glau­be, das stimmt. Die Stadt ist im Kom­men. Und das gilt auch und gera­de für Kiel.

Kiel ist nicht ein­fach nur die größ­te Stadt Schles­wig-Hol­steins, sie ist Lan­des­haupt­stadt, Bil­dungs- und Wis­sen­schafts­haupt­stadt, Segel- und Hand­ball­stadt, Stadt am Meer, mit Werf­ten und einer Mari­ne im Umbruch – und eben auch wie­der eine wach­sen­de Stadt!

Dar­aus lässt sich vie­les machen!

Aber Kiel steht wie vie­le ande­re Städ­te auch vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, von denen ich nur zwei anspre­chen möch­te: Die Haus­halts­kri­se und den schlei­chen­den Akzep­tanz­ver­lust der Kom­mu­nal­po­li­tik.

Es steht nicht gut um unse­ren Haus­halt. Wir ste­cken tief in den roten Zah­len. Die Finanz­pla­nung sagt kei­ne grund­le­gen­de Bes­se­rung vor­aus. Mit die­sen Pro­gno­sen dür­fen wir uns nicht abfin­den. Klar, ohne Hil­fe von Bund und Land geht es nicht, aber wir müs­sen auch sel­ber etwas tun.

Ich bekräf­ti­ge heu­te mein Ange­bot an alle Rats­frak­tio­nen: Las­sen Sie uns gemein­sam aus­lo­ten, wel­che glei­cher­ma­ßen ehr­gei­zi­gen wie rea­lis­ti­schen Zie­le wir uns bei der Haus­halts­kon­so­li­die­rung set­zen kön­nen.

Ich schla­ge vor, im Schul­ter­schluss von Stadt­ver­wal­tung und Rats­ver­samm­lung eine Kon­so­li­die­rungs­kom­mis­si­on zu bil­den. Ich weiß, zag­haf­te Ver­su­che die­ser Art sind in der Ver­gan­gen­heit im San­de ver­lau­fen. Aber das wird mich nicht davon abhal­ten, es erneut zu ver­su­chen.

Mir ist dabei wich­tig, Kon­so­li­die­rung „vom Ende her“ zu den­ken und dann die zum lang­fris­ti­gen Ziel hin­füh­ren­den Schrit­te zu benen­nen. Denn wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist bekannt­lich kein Wind der rich­ti­ge.

Das wird alles sicher nicht ein­fach wer­den. Aber wenn wir uns der Auf­ga­be nicht stel­len, wer­den wir sehr schnell unse­re letz­ten poli­ti­schen Hand­lungs­spiel­räu­me gera­de dort ver­lie­ren, wo es beson­ders wich­tig ist: Bei Bil­dung, Sozia­lem und bei Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen.

Anre­de,

machen wir uns nichts vor: Die Wert­schät­zung für die Kom­mu­nal­po­li­tik war schon ein­mal grö­ßer. Und der Schla­mas­sel des letz­ten Jah­res hat nicht gehol­fen. Mir ist wich­tig, dass wir das ändern.

Wir haben uns zu Recht über immer­hin 45 Pro­zent Betei­li­gung an OB-Wahl und Bür­ger­ent­scheid gefreut. Die Freu­de zeigt aber auch, wie sehr wir uns an die Mise­re des all­mäh­li­chen Akzep­tanz­ver­lus­tes der Kom­mu­nal­po­li­tik schon gewöhnt haben.

Ich hal­te nicht viel vom Schimp­fen über „die“ Poli­tik oder „die“ Poli­ti­ker. Und doch: Vie­le Kie­le­rin­nen und Kie­ler sind nicht zufrie­den mit der Art und Wei­se, wie wir Poli­tik betrei­ben.

Und wir, die wir uns unver­dros­sen poli­tisch enga­gie­ren, sind doch sel­ber all­zu oft genervt von unse­ren ritua­li­sier­ten For­men poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung.

Damit will ich nicht sagen, kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung sol­le unpo­li­tisch sein. Der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Theo­dor Eschen­burg hat gesagt, es gebe kei­ne christ­de­mo­kra­ti­sche Stra­ßen­be­leuch­tung und kei­ne sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Bedürf­nis­an­stalt. Aber das ist nur auf den ers­ten Blick rich­tig.

Denn hin­ter Sach­fra­gen ste­hen immer auch Fra­gen poli­ti­scher Wer­te — und in Zei­ten klam­mer Kas­sen auch von poli­ti­schen Prio­ri­tä­ten. Dar­um ist es wich­tig und unver­meid­lich, poli­tisch über den gro­ßen und den klei­nen Kiel-Kanal, über Innen­stadt­be­bau­ung und Schul­sa­nie­rung zu strei­ten.

Und des­halb freue ich mich über den ers­ten Kie­ler Bür­ger­ent­scheid, weil er exem­pla­risch Auf­merk­sam­keit für die Stadt und ihre Gestal­tung geschaf­fen hat, weil er Lei­den­schaft und Enga­ge­ment befeu­ert hat.

Es ging dabei nicht nur um Möbel Kraft, es ging auch um die Abwä­gung glei­cher­ma­ßen wich­ti­ger Güter: Kön­nen wir leich­ter auf Steu­er­ein­nah­men ver­zich­ten oder auf Grün­flä­chen?

Was wiegt schwe­rer: Die Vor­tei­le neu­er Arbeits­plät­ze oder die Nach­tei­le von mehr Ver­kehr und Ver­sie­ge­lung?

Letzt­lich ging es um eine Idee von Kiel und die Fra­ge: Wie wol­len wir in die­ser Stadt leben?

Und die vie­len unter­schied­li­chen Ant­wor­ten auf die­se Fra­ge möch­te ich schon ger­ne wis­sen. Und des­halb müs­sen wir Bür­ger­be­tei­li­gung noch erns­ter neh­men. Bür­ger­ent­schei­de sind dabei wich­tig, aber nichts für den kom­mu­nal­po­li­ti­schen All­tag. Aber gelun­ge­ne Betei­li­gungs­pro­zes­se, glä­ser­ne Akten, offe­ne Pla­nungs­run­den und Zukunfts­werk­stät­ten – die müs­sen all­täg­lich wer­den! Glück­li­cher­wei­se ist Kiel hier schon viel wei­ter als ande­re Städ­te.

Anre­de,

vor­ges­tern haben wir Sig­gi Schmidt beer­digt, den ver­dien­ten Ham­mer­aner, der erst vor weni­gen Wochen für sein Jahr­zehn­te lan­ges Enga­ge­ment geehrt wor­den war. Sig­gi Schmidt war Sozi­al­de­mo­krat durch und durch. In dem Blu­men­meer, das die Trau­er­hal­le füll­te, fie­len mir zwei Trau­er­krän­ze beson­ders auf, ein roter Kranz und dane­ben ein gel­ber Kranz. Einer kam von der SPD, der ande­re stamm­te von der CDU.

Ich fin­de, wir soll­ten uns auch im All­tag öfter dar­an erin­nern, dass wir alle, die wir uns haupt- oder ehren­amt­lich in der Kom­mu­nal­po­li­tik tum­meln, dies mit dem glei­chen Ziel tun: Unse­re Stadt Kiel zu gestal­ten und zu ver­bes­sern.

Die­se Gemein­sam­keit von uns Demo­kra­ten und Enga­gier­ten ist doch viel wich­ti­ger als das, was uns poli­tisch trennt. Wir haben viel­leicht unter­schied­li­che Ide­en von der Stadt – aber immer­hin haben wir Ide­en und neh­men Anteil am Schick­sal Kiels.

Anre­de,

Men­schen wie Sig­gi Schmidt fin­den sich in allen Par­tei­en. Wir soll­ten uns ein wenig mehr bemü­hen, dem ande­ren zunächst ein­mal Red­lich­keit und guten Wil­len zu unter­stel­len, und wir soll­ten uns weni­ger reflex­haft in poli­ti­sche Mehr­heits- und Min­der­heits­la­ger tei­len.

Das gelang schon ein­mal bes­ser, und ich wer­de dafür wer­ben, dass es wie­der bes­ser gelingt, und hof­fent­lich mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen.

Der zurück­lie­gen­de Wahl­kampf war jeden­falls mit sei­ner Fair­ness und Sach­lich­keit ein guter Anfang – mei­nem Gegen­kan­di­da­ten Ste­fan Kru­ber, möch­te ich dafür – per­sön­lich, aber auch stell­ver­tre­tend für alle Wahl­kämp­fer aus­drück­lich dan­ken.

Wir kön­nen die­sen guten Anfang heu­te fort­set­zen, wenn wir nach­her über das geplan­te Gesetz zur Leh­rer­aus­bil­dung dis­ku­tie­ren.

Es gibt eine Rei­he offe­ner Fra­gen zu klä­ren. Man­cher mein­te, ich hät­te mich nicht deut­lich genug für die Kie­ler Uni­ver­si­tät stark gemacht.

Mei­ne Erfah­rung ist jedoch: Wenn alle bei drei auf der Pal­me sind, ist es gut, wenn jemand unten bleibt.

Ich glau­be, wir die­nen den Inter­es­sen unse­rer Uni­ver­si­tät am bes­ten, wenn wir auf die Kraft der Argu­men­te set­zen. Ich habe in den ver­gan­ge­nen Tagen vie­le Gesprä­che geführt und bin mehr denn je davon über­zeugt: Es gibt eine Lösung, die sowohl die Leh­rer­aus­bil­dung als auch die Uni­ver­si­tä­ten in Flens­burg und Kiel stärkt.

Ich bin kein Laut­spre­cher, ich ver­ste­he mich als Lösungs­su­cher. Das mag man rich­tig fin­den oder auch nicht, aber ich bin als „sanf­ter Krie­ger“ ange­tre­ten und dafür bin ich auch gewählt wor­den.

Und ich kann sehr beharr­lich sein, auch ohne Mega­fon. Machen wir die Pro­be aufs Exem­pel! Dann wer­den wir sehen, wel­che Stra­te­gie uns am wei­tes­ten bringt.

V.

Anre­de,

das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters ist nur auf den ers­ten Blick eines mit kla­ren Kon­tu­ren. Schaut man ins Gesetz, ste­hen die Lei­tung der Ver­wal­tung und im Ver­hält­nis zur Rats­ver­samm­lung die die­nen­de Funk­ti­on ganz vor­ne.

Aber es muss mehr gemeint und gewollt sein mit die­sem Amt. War­um sonst stat­tet man es mit der beson­de­ren Legi­ti­ma­ti­on einer Direkt­wahl aus? Der Ober­bür­ger­meis­ter reprä­sen­tiert die Stadt, nach innen wie nach außen. Mit der Kraft sei­nes Amtes kann er Din­ge ansto­ßen und bewe­gen, ja im bes­ten Fall den Sound der Stadt prä­gen. Genau das habe ich mir vor­ge­nom­men.

Auf die Dau­er sind es aller­dings nicht Stim­mun­gen, son­dern gelun­ge­ne Pro­jek­te und gelös­te Pro­ble­me, die eine Stadt prä­gen.

Ohne die tat­kräf­ti­ge Unter­stüt­zung und Kom­pe­tenz der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung kann das nicht gelin­gen.

Sie bil­den im All­tag das Rück­grat der Stadt, sor­gen für Hil­fe in schwie­ri­gen Zei­ten und schie­ben Neu­es an.

Die Stadt­ver­wal­tung hat Anspruch auf eine kla­re, kraft- und respekt­vol­le Füh­rung.

Ich möch­te ein Ober­bür­ger­meis­ter sein, der Wei­chen stellt, aber nicht über­all rein­re­det, einer, der klar und ver­läss­lich eine Linie vor­gibt, ohne bera­tungs­re­sis­tent zu sein. Nach dem zwar kur­zen, aber inten­si­ven Wahl­kampf juckt es mich, nun los­zu­le­gen, und ich freue mich über die Maßen dar­auf, gemein­sam mit der Stadt­ver­wal­tung und mit der selbst­be­wuss­ten Rats­ver­samm­lung Kiel vor­an zu brin­gen.

VI.

Anre­de,

Ja, Kiel hat gewich­ti­ge Pro­ble­me und gro­ße Her­aus­for­de­run­gen zu bewäl­ti­gen; und ja, das alles wird nicht ein­fach.

Aber ich glau­be fest an die ver­än­dern­de Kraft des Ein­zel­nen, an den Unter­schied, den jeder von uns in die­ser Stadt machen kann.

Oder, in den Wor­ten der ame­ri­ka­ni­schen Anthro­po­lo­gin Mar­ga­ret Mead: „Zweif­le nie­mals dar­an, dass eine klei­ne Grup­pe über­zeug­ter und ent­schlos­se­ner Bür­ger die Welt ver­än­dern kann. Es ist das ein­zi­ge, was sie jemals ver­än­dert hat.“

Das war die tolls­te Erfah­rung für mich im Wahl­kampf: Es gibt die­se Kie­le­rin­nen und Kie­ler schon reich­lich in der Stadt, jene, die sich nicht lang bit­ten las­sen, son­dern die ein­fach los­le­gen, die sich im Sport, in der Kul­tur, für Inte­gra­ti­on und gegen Kin­der­ar­mut ein­set­zen. Die­sen Mut zu Auf­bruch und Ver­än­de­rung brau­chen wir in der Stadt­ver­wal­tung, in der Rats­ver­samm­lung und in der gan­zen Stadt!

Und wenn wir die Stadt ver­bes­sern, müs­sen wir das zum Glück nicht mit hän­gen­den Schul­tern und her­un­ter­ge­zo­ge­nen Mund­win­keln tun.

Denn Kiel hat allen Grund zu Selbst­be­wusst­sein, Opti­mis­mus und Zuver­sicht.

Wer Kiel häss­lich fin­det, hat nur nicht genau hin­ge­schaut. Kiel hat nicht nur vie­le schö­ne Ecken.

Die­se Stadt ist etwas ganz beson­de­res.

Zum Bei­spiel an einem kla­ren Mor­gen an der För­de zu ste­hen, die auf unver­wech­sel­ba­re Wei­se die Schön­heit des Mee­res mit der Quir­lig­keit einer mari­ti­men Groß­stadt ver­bin­det: Das ist ein­fach immer

wie­der toll.

Und immer mehr Men­schen ent­de­cken die Qua­li­tä­ten Kiels. Kiel hat begon­nen, eine neue Anzie­hungs­kraft aus­zu­üben: Auf Stu­die­ren­de, Wis­sen­schaft­ler, jun­ge Fami­li­en und Älte­re in den bes­ten Jah­ren, auf inno­va­ti­ve Unter­neh­mer und sogar auf Möbel­häu­ser!

Kiel hat ihnen allen schon heu­te viel zu bie­ten. Und das Ant­litz der Stadt wird sich wei­ter ver­än­dern, wird moder­ner, urba­ner und schö­ner wer­den.

Es ist Früh­ling in der Stadt.

Und die Auf­bruchs­stim­mung, die ich mir für Kiel wün­sche, sie ist schon heu­te an vie­len Stel­len mit den Hän­den zu grei­fen: In den Regio­na­len Bil­dungs­zen­tren, die bun­des­weit Stan­dards set­zen; bei der Uni-Kli­nik, die bald ihren bau­li­chen Mas­ter­plan umset­zen wird; beim GEO­MAR-Neu­bau, der ein neu­es Wahr­zei­chen am Ost­ufer wer­den und den Welt­rang unse­rer Mee­res­for­schung unter­strei­chen wird; im Woh­nungs­bau, mit unzäh­li­gen Pro­jek­ten, die in den Start­lö­chern ste­hen, auf der Hörn, in der Alt­stadt, auf dem Anschar­ge­län­de und vie­ler­orts mehr. Und selbst beim für Kiel so wich­ti­gen Nord-Ost­see-Kanal gera­ten die Din­ge nun end­lich in Bewe­gung.

VII.

Anre­de,

Mei­ne ers­te Amts­zeit dau­ert sechs Jah­re, sie endet 2020.

Im Futur Zwei for­mu­liert: Wel­cher Ober­bür­ger­meis­ter möch­te ich dann gewe­sen sein?

Einer, der nah­bar geblie­ben ist, nach­denk­lich und neu­gie­rig zugleich.

Einer, der ver­bun­den hat, statt zu tren­nen.

Ich wer­de die Stadt in die­sen Jah­ren kraft­voll füh­ren.

Wir wer­den 2020 ein neu­es Zen­tral­bad haben, ein neu­es, kli­ma­freund­li­ches Gas­kraft­werk, eine attrak­tiv bebau­te Hörn und mög­lichst 4000 neue, bezahl­ba­re Woh­nun­gen für 5000 neue Kie­ler; einen zukunfts­taug­li­chen Nah­ver­kehr und den unbe­strit­te­nen Rang als Fahr­rad­stadt Nr. 1; und einen zurück in die Spur gebrach­ten Stadt­haus­halt auch. Wir wer­den bes­se­re Schu­len haben und, so hof­fe ich, weni­ger Kin­der­ar­mut und Arbeits­lo­sig­keit – und schließ­lich eine Gaar­de­ner Brü­cke, die nicht län­ger im Nichts endet! Es wird gro­ßer Anstren­gun­gen bedür­fen, die­se Zie­le zu errei­chen.

Mei­ne Damen und Her­ren, lie­be Kie­le­rin­nen und Kie­ler, ich ver­spre­che Ihnen: Ich wer­de mich für Kiel ins Zeug legen. Mit aller Kraft und allen Talen­ten, die ich besit­ze. Denn ich bin mir sicher: Die bes­ten Zei­ten unse­rer Stadt lie­ge n nicht hin­ter, son­dern vor uns!