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Corona in Kiel: Aktuelle Lage und Wege aus dem Lockdown

Wo stehen wir, und wie kann es weitergehen? Auch wenn uns die Krise noch sehr lange beschäftigen wird, stehen wir an einer Weggabelung

Steffen VoßSteffen Voß

Ich hoffe, Ihr hattet trotz (oder wegen) der notwendigen geltenden Einschränkungen schöne Ostertage!

Wo stehen wir, und wie kann es weitergehen? Auch wenn uns die Krise noch sehr lange beschäftigen wird, stehen wir vor einer Weggabelung: Am Mittwoch berät die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsident*innen über erste Schritte weg von dem pauschalen Lockdown und den Wechsel in eine neue Phase der Pandemiebekämpfung.

Die Zeit dafür ist reif; das ist erklärungsbedürftig, deshalb wir dieser Post ziemlich lang.

Wie ist die Lage in Kiel?

Wir haben aktuell (insgesamt) 194 Infizierte, davon sind aber mittlerweile mehr als die Hälfte genesen, es gibt stand heute 88 aktuell Infizierte. Die Zahl neuer Infektionen ist ebenfalls deutlich gesunken: In der 13. Kalenderwoche wurden 71 Neuinfektionen gemeldet bei einer durchschnittlichen täglichen Steigerung von rd. 16 Prozent, in der 14. Kalenderwoche 51 neue Fälle (tägliche Steigerungsrate 5,5 Prozent), in der zurückliegenden 15. Kalenderwoche 30 neue Fälle (tägliche Steigerungsrate 2,4 Prozent). 17 Infizierte müssen derzeit im Krankenhaus behandelt werden, vor ein paar Tagen waren es noch 21.

Die Richtung stimmt also, und die Entwicklung in Schleswig-Holstein und – mit Abstrichen und deutlichen regionalen Unterschieden – in ganz Deutschland ist vergleichbar.

Grund zur Entwarnung gibt es allerdings nicht: Tausende Infizierte liegen auf Intensivstationen, viele müssen beatmet werden; für Menschen mit Vorerkrankungen besteht bei einer Infektion mit dem Virus ein hohes Sterberisiko. Noch immer werden täglich tausende Neuinfektionen gemeldet, und die Reproduktionszahl (Wie viele Menschen steckt ein Infizierter an?) liegt noch immer über 1 (derzeit bei 1,2).

Dennoch: Wir können mit einem gewissen Stolz darauf blicken, was wir in Kiel, Schleswig-Holstein und Deutschland bislang geschafft haben: Mit entschlossenen, relativ frühen und von der Gesellschaft weitgehend akzeptierten Maßnahmen haben wir die Dynamik der Pandemie abgebremst und die Überforderung des Gesundheitssystems (bislang) verhindert.

Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigen die Erfahrungen anderer Länder wie USA, Großbritannien oder Frankreich, die deutlich mehr Schwerkranke und Tote zu beklagen haben, und die härtere und vermutlich länger andauernde Maßnahmen verhängen mussten.

Aber das ist nur ein „Zwischenzeugnis“. Wir dürfen es nicht vermasseln, müssen weiter vorsichtig und klug agieren. Wir erleben eine Krise ohne Vorbild, durch die wir uns trotz Unsicherheit, Dilemmata und Zielkonflikten vorantasten müssen.

Egal, ob man Beschränkungen aufrechterhalten oder lockern will: Entscheidungsgrundlagen, Abwägungen und weitere Perspektiven müssen klar benannt werden, klarer als bislang. Das ist schwierig und die Diskussion darüber wird, wie die letzten Tage gezeigt haben, wesentlich kontroverser und vielstimmiger ablaufen als die erste Phase.

In den letzten Tagen sind dazu viele Stellungnahmen erschienen, besonders interessant sind die Vorschläge des Expertenrats Corona der Landesregierung NRW und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (Links am Ende).

Der Tenor, den ich unterstütze, lautet: An die Stelle der anfangs notwendigen pauschalen Verbote und Beschränkungen müssen nach und nach zielgenauere und differenzierte Maßnahmen treten.

Die Frage ist, unter welchen Bedingungen und in welchen Schrittfolgen?

Bedingungen für eine „schrittweise Normalisierung“

Schrittfolgen der Normalisierung

Sind die genannten Bedingungen erfüllt, muss der Grundsatz lauten: Es geht immer weniger um das „Ob“, sondern stärker um das „Wie“: An die Stelle pauschaler Verbote und Schließungen müssen „risikoadaptierte“ Regeln und Bedingungen treten, bei deren Einhaltung Bildung, Freizeitaktivitäten, Einzelhandel, Tourismus etc. wieder stattfinden können. Der Streit um die Abgrenzungen und das richtige Tempo ist vorprogrammiert. Aber es geht nicht anders.

Leitfragen dabei sind: In welchen Bereichen ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch? Für wen wäre eine Erkrankung besonders gefährlich? Welche Bereiche sind für das private und öffentliche Leben und für die Wirtschaft besonders wichtig? Wie einfach lassen sich im jeweiligen Lebensbereich Schutzmaßnahmen umsetzen?

Daraus leiten beide Expertengruppen ähnliche, plausible Vorschläge ab:

Schulen und Kitas sollen möglichst schnell wieder öffnen, allerdings schrittweise je nach Jahrgängen und mit vielen Differenzierungen und Schutzmaßnahmen. Bei den Kitas sind die Empfehlungen verständlicherweise allerdings deutlich restriktiver als bei den Schulen.

Bei Risikogruppen und besonders gefährdeten Einrichtungen müssen Kontakte bis auf Weiteres auf ein Mindestmaß reduziert bleiben, verbunden mit strengen Abstands-, Hygiene- und Verhaltensregeln.

Wirtschaftliche Aktivitäten, Einzelhandel, Behörden können absehbar schrittweise wieder hochgefahren bzw. geöffnet werden, natürlich unter Auflagen. Kongresse, Fußballbundesliga und Großveranstaltungen müssen warten.

Restaurants und Cafes könnten in einigen Wochen, zunächst mit strikten Vorgaben wie Tischabständen und reduzierten Kapazitäten, wieder Gäste empfangen.

Auch bei Sport, Freizeit und Kultur wird es um Differenzierung gehen: Tennis, Skatebordfahren und Segeln vor Fußball und Handball, Theater und Kino mit genügend Abstand vor Disko.

Erste, kleinere Schritte hin zu einer „verantwortungsvollen Normalität“ könnten nach alledem voraussichtlich ab dem 20. April beginnen, etwas größere Schritte dann in den beiden weiteren Wochen. Insgesamt aber geht es nicht um Wochen, sondern um viele Monate. Immer vorausgesetzt, Infektionszahlen und medizinische Lage entspannen sich bis dahin weiter – wofür wir alle unseren Teil beitragen müssen!

Der Weg aus der Krise ist lang, und er entsteht erst beim Gehen. Packen wir es an!

Mit konkreteren Vorschlägen, die sich für mich aus den Expertenpapieren und aus unzähligen Gesprächen in der letzten Woche herauskristallisiert haben, werde ich mich in den nächsten Tagen zu Wort melden.

Bleibt gesund und passt auf euch auf!

Wer tiefer in die Diskussion einsteigen will:

Arbeitet als Online-/Social-Media-Referent bei der SPD Schleswig-Holstein und ist hier als Mitglied des Arbeitskreises Digitale Gesellschaft der SPD Schleswig-Holstein als ehrenamtlicher Admin erreichbar. Alle Meinungsäußerungen sind privat.