Ulf Kämpfer

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Die Holstenstraße ist tot – es lebe die Holstenstraße!

Die Innenstadt wird zwar gerne schlecht geredet, aber egal ist sie fast niemandem. Sie liegt nicht nur im Herzen der Stadt, sie liegt auch uns am Herzen.

Steffen VoßSteffen Voß
Die Kieler Innenstadt blüht auf!

Man könnte es sich einfach machen: In Kiel kann man toll einkaufen. Die Holtenauer Straße mit ihren vielen kleinen, individuellen Geschäften; der erfolgreiche Citti-Park mit den vielen kostenlosen Parkplätzen, der runderneuerte Sophienhof direkt am Hauptbahnhof.

Wen stören da, außer den Eigentümern vielleicht, die Leerstände in der Holstenstraße? Nun, mich stören sie, und viele Kielerinnen und Kieler auch. Denn die Holstenstraße ist eben nicht irgendeine Straße. Die Innenstadt wird zwar gerne schlechtgeredet, aber egal ist sie fast niemandem.

Sie liegt nicht nur im Herzen der Stadt, sie liegt uns auch am Herzen. Viele Kielerinnen und Kieler haben sentimentale Erinnerungen an die Innenstadt, wie sie früher einmal war. Meine sind beispielsweise: als Teenager bei McDonald’s beim allerersten Date versetzt werden; Platten anhören bei W.O.M., mit der Verwandtschaft zu Kaffee und Kuchen bei Fiedler. Eine Innenstadt ist immer auch ein wichtiger Identitätsanker für die Stadt, wo das Leben pulsieren soll, wo man mit Freunden und Gästen gerne hingeht. Weil das so ist, lässt mich der Zustand der Holstenstraße nicht kalt, weder als Oberbürgermeister noch als Kieler Bürger.

Wie ist es dazu gekommen?

Wie ist es dazu gekommen? Der Online-Handel setzt vielen Innenstädten zu, die Holstenstraße wurde zusätzlich geradezu umzingelt von neuer Konkurrenz: Sophienhof, Citti-Park, eine attraktiv gemachte Holtenauer Straße, das überdimensionierte Fachmarktzentrum in Schwentinental, das Designer Outlet Center in Neumünster. Bei dieser Entwicklung kann es niemanden verwundern, dass viele Einzelhändler in der Holstenstraße aufgeben. Und aktuell kommen, wenn auch unvermeidlich dafür, dass es in Zukunft wieder besser wird, die vielen Baustellen und Verkehrseinschränkungen dazu. Aber es gibt noch andere Gründe: die traditionell geringe Zusammenarbeit der Innenstadt-Kaufleute, die teilweise immer noch zu hohen Mieten, Eigentümer, die sich nicht um ihre Immobilien kümmern. Und was ich selbst zugeben muss: Im öffentlichen Raum, für den die Stadt zuständig ist, ist vieles in die Jahre gekommen.

Wie kriegen wir die Wende hin?

Wie kriegen wir die Wende hin? Mit mehr Leben in der Innenstadt! Mit Wohnungen an der Alten Feuerwache und dem Schlossquartier fing es an. An der Hörn geht es weiter, in wenigen Jahren werden einige Tausend Menschen mehr in der Innenstadt wohnen, die Hotel-, Fähr- und Kreuzfahrtgäste werden die Innenstadt beleben – vorausgesetzt, sie hat etwas zu bieten. Der bald fertige Kleine Kiel-Kanal ist nach wie vor umstritten, aber die damit entstehende „Neue Mitte“ an Holstenbrücke und Berliner Platz hat schon während der Planungsund Bauphase überall im Umfeld millionenschwere Investitionen ausgelöst: Im Ahlmann-Gebäude, am Bootshafen, im ehemaligen Woolworth-Geschäftshaus und im alten Brücke-Kino entstehen neue Geschäfte, Hotels, Restaurants und Wohnungen.

Die Stadt investiert aber auch an zahlreichen anderen Stellen viele Millionen: neuer zentraler Busbahnhof, neues Terminal am Ostseekai, Sanierung des Konzertsaales, neues touristisches Welcome-Center in der ehemaligen Hauptpost, Aufwertung des Bahnhofsvorplatzes.

Mit einem städtebaulichen Wettbewerb werden neue Ideen für die Holstenstraße und die anliegenden Plätze gesucht und umgesetzt, das wird voraussichtlich weitere 50 Millionen Euro an Investitionen auslösen. Und wenn es nach mir geht, trauen wir uns etwas zu und überbrücken – wortwörtlich gemeint! – die Kaistraße und die Hafenfläche zwischen Sartorikai und Schweden-Terminal vom Bootshafen bis zur Förde, zum Flanieren und Verweilen. Das wäre ein städtebauliches Ausrufezeichen.

Einfach nur den Leerstand beseitigen wäre allerdings zu wenig. Zum Glück gibt es noch tolle, familiengeführte Geschäfte wie Witte, Meislahn, Mahlberg, Kaffee Heyck und Fiedler – davon brauchen wir wieder mehr.

Mit unserer Innenstadt-Managerin und neuen Netzwerken der Kaufleute kommt gerade wieder mehr Schwung in die Läden. Aber es muss auch andere Gründe als Einkaufen geben, um in die Innenstadt zu kommen: Tanzschulen, Restaurants und Cafés, Konzerte und Ausstellungen, Fitness-Studios, aber auch nichtkommerzielle Orte wie das Kreativzentrum Alte Mu und Veranstaltungen wie der Bootshafensommer, die Digitale Woche Kiel etc.

Dann wird die Holstenstraße wieder die Visitenkarte Kiels sein – anders als früher, aber genauso unverwechselbar und attraktiv wie zu Zeiten von Weipert, Kihr-Goebel & Co. Und dann, da bin ich mir sicher, wird aus der von manchen gepflegten Hassliebe zur Innenstadt wieder echte Zuneigung werden.

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Arbeitet als Online-/Social-Media-Referent bei der SPD Schleswig-Holstein und ist hier als Mitglied des Arbeitskreises Digitale Gesellschaft der SPD Schleswig-Holstein als ehrenamtlicher Admin erreichbar. Alle Meinungsäußerungen sind privat.