Ulf Kämpfer

Rechtliches


Kiel oben

oder: Volle Lotte, Kieler Sprotte!

Steffen VoßSteffen Voß

Für einen Poe­try Slam auf der Kie­ler Woche 2018 habe ich die­sen Text geschrie­ben.

Ulf Kämp­fers Blick auf Kiel — als Poe­try-Slam-Text

Mein Kiel: Ganz oben sitzt du auf der Wet­ter­kar­te, schaust auf die Welt von hoher War­te.

Dei­ne Fah­ne ist gehisst: Aber weißt du wirk­lich, was du willst und wer du bist?

Einst groß gewor­den mit Flot­ten­stolz und Kai­ser­pracht, waren es nicht Admi­ra­le, son­dern muti­ge Matro­sen, die bra­chen die Preu­ßen­macht. Sie hol­ten die Koh­len aus den Kes­seln, sie tru­gen das Feu­er der Frei­heit als Fackel durch die Nacht.

Ein Flä­chen­brand, geplant von kur­zer Hand, Frie­den und Brot statt Kano­nen­fut­ter, Frau­en­wahl­recht, weg mit dem Kai­ser, hur­ra!

Doch Pyr­rhus war der Name ihres Sie­ges, die jun­ge Repu­blik bald nicht mehr da.

Und Kiel? Die Werf­ten und die Offi­zie­re: Was dich so groß gemacht, das mach­te dich auch wie­der klein.

Kein Stein blieb auf dem ande­ren in lan­gen Bom­ben­näch­ten. Doch auf Pyr­rhus folg­te Phö­nix, und aus der Asche bau­ten Bür­ger eine neue Stadt.

Und spä­ter? Asche streu­en auf dein Haupt, das konn­test du sehr gut. Mach­test dich oft klei­ner als du bist. Nicht geme­ckert war genug gelobt. Du hät­test schon mögen wol­len, ABER dür­fen hast du dich meis­tens nicht getraut!

Und nun, tada, das neue Kiel: Du bist das Gegen­teil von Ete­pe­te­te und Haute­vo­lee, du bist bei 4 Grad mit Arsch­bom­be Anba­den statt Baden-Baden.

Die gro­ße Klap­pe über­lässt du ande­ren, dir reicht eine Drei­feld­klapp­brü­cke. Und auch sonst klappt vie­les im neu­en Kiel – außer, es klappt mal nicht.

Und die Ober­bür­ger­meis­ter? Die wech­selst du wie ande­re ihre Hem­den. Vie­le gaben sich ein kur­zes Stell­dich­ein — Doch der, der es jetzt ist, der würd‘ es ger­ne noch ein biss­chen län­ger sein.

Denn Kiel, ich mag dich, sogar ein biss­chen wenig ziem­lich sehr.

Du häu­test dich, erfin­dest dich, neu — gie­rig, suchend und tap­send, wie ein jun­ger Bär.

Du stehst nicht mehr stramm, schaust nicht zurück, son­dern ENDLICH sehn­suchts­voll auf das Meer und in die wei­te Welt. Denn du weißt: Das Schiff, das ist im Hafen sicher, aber dafür ist es nicht gebaut.

Kiel, es läuft bei dir. Und ich mei­ne nicht nur Lil­le Bier!

Ich mei­ne: San Fran­cis­co, Digi­ta­le Woche und alte Mu, THW, Water­kant und Velo­rou­te — und Hol­stein Kiel, das end­lich, end­lich Tore schie­ßen tut!

Auf zu neu­en Ufern: Vol­le Lot­te, Kie­ler Sprot­te! Alle Mann und Frau­en an Deck! Die Segel hoch!

Doch wo sind sie, die Matro­sen UNSERER Zeit? Bist du es, oder du: Bist du soweit?

Wer ist so mutig und so stark? –Becau­se — you can’t start a fire, you can’t start a fire wit­hout a spark.

My Kiel: Sai­ling City, some­ti­mes ugly, but most­ly pret­ty — cool.

Mein Kiel, Du unge­kämm­te Schön­heit – geh nicht zum Sty­list, denn ich, ich mag dich, wie du bist.

Arbeitet als Online-/Social-Media-Referent bei der SPD Schleswig-Holstein und ist hier als Mitglied des Arbeitskreises Digitale Gesellschaft der SPD Schleswig-Holstein als ehrenamtlicher Admin erreichbar. Alle Meinungsäußerungen sind privat.